#DGSVO – oder #DSGVO – oder was?

#DGSVO war 2018 ein beliebter Hashtag. Das war aber keine Abkürzung für Deutsche Gebärdensprache-Verordnung (die gibt es unter dieser Bezeichnung nämlich nicht), sondern ein Buchstabendreher für DSGVO. Aber DGS ist zumindest für mich (und viele andere) eine so vertraute Buchstabenfolge, dass sich das automatisch ergab.

Beim A-Tag 2018 in Wien, einer immer wieder sehr interessanten Tagung zum Thema Barrierefreiheit (bzw. Accessibility, daher „A-Tag“) in den Medien, gab es einen Vortrag über ein neues Projekt für die Österreichische Gebärdensprache (ÖGS), nämlich ÖGSplus. Das ist, grob gesprochen, das Pendant zu Leichter Sprache (in Österreich auch Leicht(er) Lesen genannt) in der geschriebenen Sprache. (Leichte Sprache ist übrigens nicht dasselbe wie Einfache Sprache, aber dazu ein andermal.)

Da die Grammatik der Gebärdensprache auf anderen Prinzipien basiert als die der gesprochenen Sprache, sind auch die Regeln andere, aber die Leitlinie ist dieselbe: leicht verständliche Sprache verwenden (also nicht wie ich in diesem Blogbeitrag), so dass auch Menschen, die die jeweilige Sprache nicht perfekt beherrschen, die Inhalte verstehen können. Das können Menschen mit kognitiven Einschränkungen sein, Menschen mit einer anderen Muttersprache, müde Menschen …

In anderen Gebärdensprachen gibt es so etwas noch nicht – jedenfalls soweit wir wissen. In Frankfurt am Main wird zwar an einigen Schulen das Konzept der Bildergebärden eingesetzt. Dieses Konzept ist aber etwas anders, weil es zum Teil auch auf der Lautsprache basiert, denn die Kinder sind größtenteils hörgeschädigt, aber nicht gehörlos.

Es gibt also verschiedenste Arten und Weisen, mit Laut- und Gebärdensprache umzugehen – wesentlich ist dabei die Zielgruppe. Und die besteht aus Menschen – man sollte nicht vergessen, dass Kommunikation das Ziel der meisten Sprachäußerungen ist.

Ganz exklusiv – nur für dich!

„Exklusiv“ – dieser Begriff ruft viele Assoziationen hervor: edel, teuer, besonders, erlesen, wertvoll … Wenn er in Ausdrücken vorkommt wie „exklusiver Club“ oder „exklusiv für unsere Mitglieder“, suggeriert er den Angesprochenen: „Ihr gehört dazu!“ Er sagt aber genau das Gegenteil: „Ihr gehört nicht dazu!“, und mit „ihr“ sind in diesem Fall nicht die Angesprochenen gemeint. Wörtlich bedeutet „exklusiv“ nämlich „ausschließend“. Es kommt vom lateinischen „excludere“ (absondern): „ex“ bedeutet aus und „claudere“ schließen.

Das eigentliche Gegenteil von exklusiv ist aber inklusiv: alle werden mit einbezogen, egal worein. „Inklusion“ ist inzwischen der gängige Begriff für gleichberechtigte Teilhabe von behinderten und nichtbehinderten Menschen, „inklusiv“ das Adjektiv dazu. Und dieser Begriff suggeriert und sagt dasselbe, hat also keine heimlichen Hinterbedeutungen.

Oben habe ich geschrieben: der Begriff „exklusiv“ ruft viele Assoziationen hervor. Ich hätte auch schreiben können: ruft positive oder angenehme Assoziationen hervor. Aber das sind sie eben nicht für alle, eigentlich nicht einmal für die meisten.

Begründungen

Seit Jahren schon frage ich mich, von woher eigentlich der Ausdruck „von daher“ kommt. Denn man kann beides ohne weiteres ohne „von“ verwenden: woher kommt dieser Ausdruck? Daher verstehe ich nicht, warum man eine zusätzliche Silbe braucht – sprachökonomisch ist das sogar kontraproduktiv. Oder, einfacher gesagt: zwei Silben kann man schneller aussprechen als drei; das heißt, man braucht mehr Zeit, um dasselbe zu sagen.

OK, „daher“ im Sinne von „deshalb“ ist eine andere Stilbebene; in der Umgangssprache benutzt das niemand. Aber „deshalb“ ist doch ein prima Wort und hat eine Silbe weniger als „von daher“, ist also kürzer und daher sprachökonomisch sinnvoller. Außerdem gibt es noch viele andere Ausdrücke, die allerdings allesamt eher schriftlich gebraucht werden: zum Beispiel „aus diesem Grund“, „demzufolge“, „aufgrund dessen“, aber auch „deswegen“ (was im Dialekt gern zu etwas wie „desdewegen“ – hessisch und sächsisch mit verschiedener Aussprache – wird). Der Duden übrigens führt den Ausdruck interessanterweise unter „Wendungen, Redensarten, Sprichwörter“ auf.

Aber „von daher“? Das habe ich sogar eine akademisch gebildete Kollegin sagen hören, und auch im Duden steht es schon drin. Oder sogar „von dem her“? Gern von Fußballern benutzt, warum auch immer. Warum nicht gleich „von demdewegen“? Dann wäre der Genitiv („des“) nämlich nicht mehr drin – vielleicht ist das der tiefere Grund. Dazu kann man nur noch sagen: „Rettet dem Genitiv!“

Zusammen oder getrennt?

Diese Frage bekommt man im Restaurant immer wieder gestellt. Auch hier ist die Antwort nicht immer einfach und kann zu interkulturellem Erstaunen führen: „Die haben die ganze Zeit geturtelt, und jetzt zahlen sie getrennt?“ fragte mich mal ein armenischer Freund ungläubig.

Hier soll es aber um die Schreibung gehen: wann schreibt man Wortzusammensetzungen zusammen und wann getrennt? Vor der Rechtschreibreform war das einfach, nach der ersten Reform folgte die große Verunsicherung, und nach der Reform der Reform ist das Ergebnis ein umfangreiches Regelwerk, das ein Studium ähnlich der Jurisprudenz eigentlich zwingend voraussetzt (siehe Duden Regel D47 – D66 mit vielen Unterpunkten und Ausnahmen).

Eine Faustregel kann man schon mal anwenden: wenn der erste Bestandteil betont wird, wird zusammengeschrieben. „Alleinstehend“ zum Beispiel wird nach der zweiten Reform vernünftigerweise jetzt wieder zusammengeschrieben – wie eine Freundin damals witzelte: „eine allein stehende Frau ist eine Frau, die nicht umfällt, wenn man sie loslässt“. Wie ihr seht: auch „vernünftigerweise“ wird dankenswerterweise nicht mehr „vernünftiger Weise“ geschrieben. Und „zusammenschreiben“ (eine Zusammenfassung schreiben) bedeutet etwas anderes als „lasst uns ein Theaterstück zusammen schreiben“ (Betonung auf „schreiben“). Oder, schwieriger: „wiedersehen“ oder „wieder sehen“? Meistens wird es ja zusammengeschrieben (!) (so wie bei „Auf Wiedersehen“, wo das Verb zu einem Nomen wird): „Können wir uns wiedersehen?“ Aber seltener braucht man es auch frei nach Amazing Grace: „Ich war blind, aber jetzt kann ich wieder sehen“. Alles weitere (Weitere? ;-)) könnt ihr im Duden nachlesen (siehe oben).

Es gibt übrigens ein schönes Lied zum Thema „Zusammen oder getrennt“ von Corinne Douarre, womit wir wieder den Bogen zum Beginn des Textes geschlagen hätten …

Thema heute: Thesaurus

Eigentlich sollte dies hier eine Kurzfolge für unseren Podcast werden, aber dafür hat es sich dann doch nicht geeignet. Die Struktur mit den Fragen ist aber geblieben.

Worum geht es?

Jedenfalls nicht um ein urzeitliches Riesentier, das ein englisches Heißgetränk zu sich nimmt – Tee-Saurus. Nein! Das Wort hat verschiedene Bedeutungen, die allerdings ähnlich sind – für unsere Zwecke geht es, in der Duden-Definition, um ein „allgemeinsprachliches Wörterbuch der sinn- und sachverwandten Wörter“.

Ein Beispiel

Ich schreibe einen Text über das Substantiv „Thesaurus“. Aber ich will mich nicht dauernd wiederholen, also schlage ich in demselben nach und finde: „Lehrwerk, Schulbuch, Fibel, Fachbuch, Sachbuch, Vademecum, Abriss, Handreichung, Repetitorium, Katechismus, Glossar, Leitfaden, Handbuch, Unterrichtswerk, Übungsbuch, Kompendium, Lexikon, Ratgeber, …, Wörterbuch, Enzyklopädie, Nachschlagewerk, …, Konversationslexikon.“ Man merkt: das sind nicht nur Synonyme, sondern eben auch sinnverwandte Wörter, und dann probiert man es mit Ersetzen. Das kann sehr lustig sein, wenn der Zusammenhang überhaupt nicht passt, oder auch nervtötend, wenn gar nichts passen will. Manchmal klappt es dann auch, aber manchmal muss man auch den ganzen Satz umformulieren.

Zum Beispiel: Dr. Müller-Ebenholz hatte alles versucht. Nun gab er sein Vorhaben auf. Das Wort „aufgeben“ finde ich aber langweilig, also setze ich ein: Nun ließ er von seinem Vorhaben ab. Klingt, als habe sich ein Hund hineinverbissen. Oder: Nun trug er es zu Grabe. Zu dramatisch. Nun pfiff er auf dem letzten Loch. Zu komisch. Nun verzichtete er … schon besser. Und so weiter, bis es rund klingt.

Wie packe ich es an?

Anpacken – das ist das richtige Wort! Es ist ein großes Vergnügen, einen dicken Thesaurus in die Hand zu nehmen und darin herumzublättern, auf der Suche nach dem passenden Ausdruck. Für kreative Prokrastinierer ist es ideal: man findet Wörter, nach denen man gar nicht gesucht hat, die man einfach nur schön findet oder um die herum man eine Geschichte bauen kann, woran man ursprünglich überhaupt nicht gedacht hatte. Seit Urzeiten arbeite ich mit „Sag es treffender“ von A.M.Textor, inzwischen in der xten Auflage (Foto von einer älteren Ausgabe 1968 (Neuauflage 1974)), aber natürlich gibt es auch den 8. Duden-Band, und Hinweise auf andere Synonymwörterbücher sind willkommen.

Buchcover "Sag es treffender"

Natürlich kann man auch Thesauri im Internet bemühen; das ist vermutlich die effektivere Art, mit Synonymen zu arbeiten. Es geht jedenfalls in der Regel schneller. Ein Beispiel dafür ist der Open Thesaurus. Man muss sich nur dessen bewusst sein, dass, wenn jeder mitmachen kann, das zwar demokratisch ist, es aber keine Garantie für die Richtigkeit gibt wie bei einem redigierten Lexikon. Das heißt, man ist in stärkerem Maße auf sein eigenes Sprachgefühl angewiesen. Im Grunde kommt es darauf an, was man gerade möchte und wieviel Zeit man hat bzw. sich dafür nehmen will.

Fazit

Das Beste aus beiden Welten, der realen und der virtuellen, findet sich im Bücherregal und im Computer. Sucht es euch aus und genießt es, dass ihr die Möglichkeit habt, zu wählen, euch aber nicht entscheiden zu müssen. Beim Schreiben muss man sich am Ende natürlich doch entscheiden, aber dann hat man schon eine Menge durchprobiert und Spaß dabei gehabt.